TV/DJK Hammelburg Volleyball

Die Hammelburger bezwingen nicht nur den GSVE Delitzsch völlig verdient mit 3:1, sondern einen Tag später auch die Oshino Volleys aus Eltmann.

TV/DJK Hammelburg - GSVE Delitzsch 3:1 (25:20, 25:22, 18:25, 25:20).
Träume können nicht schöner sein. "Das ist eigentlich unfassbar", lacht Tado Karlovic nach dem sensationellen Sieg seiner Jungs gegen das Zweitliga-Spitzenteam aus Delitzsch. "Es ist perfekt für uns gelaufen, wir waren in den entscheidenden Momenten einfach einen Tick besser",resümiert der Hammelburger Coach. "Die haben gedacht, sie lutschen uns ganz locker weg - das haben sie jetzt davon", strahlt Karlovic, der dennoch mit großem Respekt von den Gästen spricht. "Das ist ein tolles Team mit überragenden Spielern wie Jan Jalowietzki und Paul Lohrisch."
Sein Team ist in der bestens gefüllten Saaletalhalle von Beginn an hellwach, agiert auf Augenhöhe und bringt die Fans schnell in Stimmung, die zusätzlich von Hallensprecher Olly Wendt unermüdlich animiert werden. Neben dem Hallensprecher gibt es viele Neuerungen in der 2. Bundesliga - Bande rund um das Spielfeld, VIP-Plätze und technische Pausen nach dem achten bzw.16. Punkt eines Teams während des Satzes. Bei der ersten liegen die Hammelburger 7:8 hinten, daran ändert sich bis zur zweiten nichts - 15:16. Die Gastgeber gehen erstmals mit zwei Punkten in Führung nach einer Netzberührung des Delitzscher Blocks (21:19). Bei Aufschlag von Aldin Dzafic legt der Block Michael Schottdorf/Henning Schulte nach. Mit einem Aufschlag-Ass macht Henning Schulte das 1:0 perfekt. 


Bendikowski ausgezeichnet

Im zweiten Durchgang legen die Gäste mit 8:5 vor. Die Anspannung bei Tado Karlovic ist spürbar, er schwört seine Jungs ein und die holen auf. Bei Aufschlag des überragenden Felix Bendikowski, der nach der Partie von beiden Trainern zum MVP, dem wertvollsten Spieler des Matches, gewählt wird, gehen die lautstark angefeuerten Saalemänner mit 18:15 in Front. Delitzsch kämpft verbissen, doch als ihre stärkste Waffe Paul Lohrisch zum Aufschlag geht, zieht Tado Karlovic ihm mit zwei Auszeiten in Folge den Zahn. Bendikowski verwandelt den ersten Satzball. 


Dominik Seller verabschiedet

Die nächste Neuerung, eine zehnminütige Pause nach dem zweiten Satz für Gewinnspiele der Sponsoren, bringt die Hammelburger aus dem Rhythmus. "Das war nicht so schlimm, wir haben geschaut, dass wir im Spiel bleiben", hakt Tado Karlovic den Satzverlust schnell ab. Der vierte Durchgang ist an Spannung kaum zu überbieten, verbissen wird um jeden Ball gefightet. Tado Karlovic zieht alle Register, wechselt immer wieder Spieler ein und aus. Als sein "Intimfeind" an diesem Abend, Paul Lohrisch, bei Matchball Hammelburg ins Aus schmettert, ist der zweite Drei-Punkte-Erfolg im zweiten Spiel der Saison im Sack. 
Die Halle bebt, die Hammelburger feiern ausgelassen - Spieler und Fans. Keiner verlässt die Halle, nach der MVP-Kür - auf Delitzscher Seite erhält Jan Jalowietzki die Silbermedaille -, ist der perfekte Moment für einen emotionalen Abschied. Der langjährige Libero Dominik Seller kommt von der Tribüne und wird von seinen Mitspielern noch einmal umarmt vor seinem studienbedingten Abgang nach München. Sein Nachfolger, das Hammelburger Eigengewächs Aaron Dettner, hat sich zuvor schon bestens eingeführt. "Die Mannschaft war vor dem Spiel tiefenentspannt, und dass wir nach unserem tollen Erfolg noch unseren Libero Domi Seller verabschieden konnten, war schon sehr emotional", betont Kapitän Felix Bendikowski.
Der Hammelburger Trainer ist nach dem nervenaufreibenden Match wie ausgewechselt. "Monsieur 100 000 Volt" hat man vor längerer Zeit den französischen Sänger Gilbert Bécaud genannt - ein müder Entertainer im Vergleich zu Tado Karlovic während der Partie. Er legt sich mit Gästespieler Paul Lohrisch an, kassiert dafür von den Schiedsrichtern die gelbe Karte. "Das musste sein, die können hier nicht machen was sie wollen. Das ist unsere Halle", erklärt er augenzwinkernd. Während die volle Halle nach dem Sieg noch restlos begeistert Standing Ovations spendet, umarmen sich Karlovic und Lohrisch, scherzen gemeinsam und gehen wie gute Freunde auseinander. Die Realität ist manchmal traumhaft.

TV/DJK Hammelburg - Oshino Volleys Eltmann 3:1 (25:21, 25:23, 16:25, 26:24).
Und schöne Träume müssen ja nicht abrupt enden. Mit dem dritten Sieg in Serie und der makellosen Bilanz von 9:0 Punkten erobern die Hammelburger als Aufsteiger die Tabellenführung in der 2. Bundesliga. Mit Freudentänzen und "Spitzenreiter, Spitzenreiter"-Gesängen wird mit den erneut zahlreichen begeisterten Fans lautstark gefeiert. Wo das alles enden soll? "So langsam wird es beängstigend", meint Co-Trainer Frank Jansen. Ursprüngliches Ziel war ein Sieg aus den ersten drei Spielen.
Die Glückshormone setzen bei den Saale männern offensichtlich so viel Energie frei, dass von Müdigkeit nur rund 17 Stunden nach der Gala gegen Delitzsch gegen die favorisierten Oshino Volleys aus Eltmann keine Spur ist. Die Jungs von Tado Karlovic machen gegen das Top-Team vom Main einfach da weiter, wo sie tags zuvor aufgehört haben. Eine schnelle 7:4-Führung wird zwar durch eine wacklige Annahme verspielt (9:9), doch Kapitän Felix Bendikowski bringt das Team wieder auf Kurs (11:9). Mit starken Aufschlägen sorgt Lukas Spachmann bis zum 20:17 für die Vorentscheidung.


Glückliches Händchen

Der Beginn des zweiten Durchgangs wird verschlafen, nach 3:7 kämpfen sich die Jungs von der Saale wieder heran, erneut Bendikowski sowie Mario Radmann und Michael Schottdorf mit guter Blockarbeit sorgen für die Wende. Als Eltmann bei 24:21 zwei Satzbälle abwehren kann, beweist Tado Karlovic mit der Einwechslung von Oscar Benner ein glückliches Händchen. Mit einem Ein-Mann-Block macht dieser den Satz zu. 


Erneuter Durchhänger

Die zehnminütige Pause bringt die Gastgeber wie am Vortag aus dem Konzept. "Nach dem 8:18 lief nichts mehr", sieht Pressesprecher Olly Wendt, dass das Team sich mental schon auf den vierten Durchgang vorbereitet. Der hat es in sich, Hammelburg liegt zunächst mit zwei bis drei Punkten vorne. Doch Eltmann will unbedingt in den Tiebreak, ein packendes Match, das bis zum Ende völlig offen bleibt, ist die Folge. Die Fans, erneut sind über 400 in der Halle, sind aus dem Häuschen und pushen ihr Team zum knappen Zwei-Punkte-Vorsprung. Zusteller Aldin Dzafic wird zum MVP gewählt, der Rest ist pure Begeisterung. Wer zugeschaut hat, kommt bestimmt wieder. Denn die Übergänge zwischen Traum und Wirklichkeit sind in Hammelburg fließend.

Quelle: Saale Zeitung