TV/DJK Hammelburg Volleyball

Die Hammelburger besiegen in einem extrem engen Spiel Aufsteiger Blue Volleys Gotha dank einer großartigen Mannschaftsleistung.

TV/DJK Hammelburg Volley - Blue Volleys Gotha 3:1 (28:26, 23:25, 26:24, 25:22).Abteilungsleiter Matthias Benner hatte nach dem Abgang der Wolf-Brüder eine Reaktion von seiner Mannschaft gefordert. Die bekam er. In einem unglaublich engen Spiel besiegten die Hammelburg Volleys die Blue Volleys Gotha in 3:1-Sätzen. Und landeten die Befreiung.

War es die Pause in der Fußball-Bundesliga oder die besondere Situation der Zweitliga-Volleyballer nach der überraschenden Kündigung von Kapitän Peter Wolf und seinem Bruder Georg? Das Match gegen den Aufsteiger lockte besonders viele Zuschauer an. Das zeigte schon die Belegung des Parkplatzes vor der Saaletalhalle. Sie sollten nicht enttäuscht werden.

Trainer Karl Kaden hatte Felix Bendikowski, den Spielführer der vergangenen Saison, wieder zum Kapitän ernannt. Außerdem standen die Nachwuchs-Volleyballer Lukas und David Baden im Kader. Auf dem Feld fiel vor allem auf, dass Oscar Benner als Diagonalspieler rechts agierte - früher die Lieblingsposition von Peter Wolf.

Das Match entwickelt sich von Beginn an ausgeglichen. Eine 2:4-Führung der Gothaer glich Hammelburg auch wegen des guten Mittelblocks schnell aus. Dann ging es beinahe im Gleichschritt bis zum 10:10. Und dann begann sie, die erste Phase der Oscar-Benner-Show. Drei Angaben brachte der Sohn des Abteilungsleiters als Asse ins Ziel, nur bedingt gestört durch eine Gothaer Auszeit. Der Lauf der Volleys wurde erst beim Stand von 13:10 durch eine Netzberührung eines Heimspielers gestört.

 

Die Hammelburger bauten ihren Vorsprung auf 20:14 aus, auch weil neben Benner Spieler wie Luca Dierks aufblühten. Dennoch: Das Gefühl, dass Gotha den Satz abgeben würde, kam nicht auf. Mit Recht. Denn die Thüringer schlugen im wahrsten Sinne des Wortes zurück. Besonders mit den Angaben von Robert Werner, einst mit einigen Hammelburger Akteuren im Frankfurter Volleyball-Internat, bereiteten dem Heimteam Probleme. Ruckzuck stand es 21:21. Und dann hatte der Aufsteiger bei 23:24 sogar Satzball. Doch Oscar Benner beendete einen super Ballwechsel entschlossen mit einem Schmetterball zum Ausgleich.

 

Benner macht den Unterschied

Zwei weitere Satzbälle wehrten die Hammelburger ab - 26:26. Und dann machte wieder Benner den Unterschied. Nach der eher brachialen Führung legte er den Ball gekonnt am Gothaer Block vorbei. 28:26, Satzsieg.

Der zweite Satz verlief ähnlich eng wie der erste. Mehrfach ging Hammelburg mit bis zu vier Punkten in Führung. Wobei neben den Konstanten Benner und Moritz Rauber vor allem Luca Dierks, Nils Rehmeier und Henning Schulte durch gute Aktionen auffielen. Doch Gotha kämpfte sich stets wieder heran - bis zum 21:21. Ab da lagen die Blue Volleys - auch durch unglückliche Hammelburger Aktionen - in Führung. Trainer Kaden brachte erstmals Kapitän Bendikowski, er machte gleich einen Zitterpunkt. Der Satz ging trotzdem an Gotha. Weil beim 23:24 der Block nicht gut stand und Benner verschmetterte. War die kämpfende und zusammenstehende Mannschaft doch auf die Verliererstraße geraten? Mitnichten! Der dritte Satz geriet noch enger als die vorherigen. Nach mehreren Hammelburger Führungen egalisierte Gotha zum 13:13. Jetzt lagen die Blue Volleys stets vorn und Hammelburg musste sich zurückkämpfen. Was auch dank guter Aktionen von Hannes Krochmann gelang. Ab dem 17:17 war es ein Geben und Nehmen der Punkte. Wieder hatte Gotha beim 23:24 Satzball, den die Blue Volleys aber verschmetterten. Benner brachte Hammelburg in Führung. Und dann? Dann schmetterte ein Gothaer Spieler den Ball haarscharf ins Aus. Sollte von den Zuschauern jemand nicht gestanden haben; jetzt war es soweit.

Der vierte Satz war dann eine erstaunlich klare Angelegenheit.Zunächst zumindest. Die Volleys erarbeiteten sich auch dank eines entfesselten Benner und des nötigen Glücks eine 21:14-Führung. Gotha wirkte erstmals von der Rolle. Doch dann wollte das Heimteam zu viel. Versemmelte Aufschläge, verschmetterte Bälle: nur noch 21:20. Karl Kaden brachte noch einmal Bendikowski für Krochmann. Und nahm ihn nach zwei verlorenen Punkten wieder vom Feld. Also stand es 22:22. Sollte der Sieg so kurz vor dem Ziel doch noch flöten gehen?

Nein! Denn nach zweimal Aufschlag Benner, darunter ein Ass, hieß es 24:22: Matchball! Und den verwandelte Krochmann fast spielend mittig am Netz, weil Gotha Benners erneute Angabe nur unkontrolliert abwehren konnte. Team, Trainer und Halle tobten. Hallensprecher Olly Wendt blies mit Blick auf die Wolfs ins Mikro: "Das war die Antwort auf die vergangenen drei Wochen."

Die anschließenden Interviews sprachen für sich. Neuzugang Luca Dierks sagte: "Es war eine atemberaubende Stimmung und wir haben befreit aufgespielt. Man hat den Zusammenhalt zwischen uns und den Fans gemerkt." Die Mannschaft habe das Thema Wolf-Wechsel abgehakt, schaue nach vorn. "Ich denke, das Team ist geschlossener als vorher. Es herrschte teils eine angespannte Stimmung vor, aus verschiedenen Gründen, auf die ich nicht eingehen werde." Dierks selbst sah sich präsenter im Spiel. Er habe mehr Verantwortung übernommen.

 

Mannschaft spielt sich frei

Oscar Benner, Hammelburger Spieler des Spiels, war es "megawichtig, dass wir gezeigt haben, dass wir es auch ohne die Wolfs schaffen." Den gelösten Eindruck und das neue Team-Gefühl bestätigte er. Die neue Position als Diagonaler habe ihm gut gepasst. Er habe nie gedacht, das enge Spiel zu verlieren - auch nicht in kritischen Phasen.

Von Trainer Karl Kaden fiel eine große Last ab. "Den Ausschlag hat heute der Teamgeist gegeben. Endlich waren wir wieder eine Mannschaft, haben gekämpft füreinander und keinen Ball aufgegeben." Das habe man vor allem im ersten Satz gesehen. "In jedem Kopf war drin, dass wir dieses Spiel gewinnen müssen." Das Team habe sich abgeklatscht, geholfen, gepuscht, auch schon im Training. Dazu kam das Quäntchen Glück in entscheidenden Phasen. "Das gesamte Team hat sich freigespielt." Jeder habe seinen wichtigen Anteil gehabt, selbst Bendikowski, der nur wenige Minuten spielte. Er sei sehr wichtig fürs Team, so Kaden.

Gothas Trainer Jörg Schulz gab zu, dass der Wolf-Abschied seine Spielvorbereitung beeinflusste.

"Wir wussten nicht, wer überhaupt und welche Position spielen wird." Man habe mehrere Szenarien durchgeprobt, doch Hammelburg habe sich doch anders aufgestellt. "Prinzipiell war ich überrascht, wie druckvoll sie gespielt haben, dass sie ihr System so um- und durchsetzen konnten." Sein Team habe in den entscheidenden Situationen einfache Fehler gemacht, zu wenig druckvoll aufgeschlagen und sein Spiel nicht durchgedrückt.