TV/DJK Hammelburg Volleyball

Der Abgang von Peter und Georg Wolf traf die Hammelburg Volleys kalt. Abteilungsleiter Matthias Benner berichtet, was passierte - und was geschehen soll.

Der Schock hätte nicht tiefer sitzen können: Nach dem verlorenen Derby gegen Eltmann kündigten Kapitän Peter Wolf und sein Bruder Georg den Hammelburg Volleys per WhatsApp die Zusammenarbeit auf. Nun steht das Match gegen Blue Volleys Gotha (Samstag, 20 Uhr) an. Und Abteilungsleiter Matthias Benner spricht im Interview über menschliche Enttäuschungen, die Folgen des Wolf-Abschieds und ein extrem wichtiges Bundesligaspiel.

Herr Benner, die Kündigung der Wolf-Brüder erfolgte ja spektakulär, per WhatsApp-Nachricht. Wo stecken die beiden jetzt? 

Matthias Benner: Das wissen wir nicht. Wahrscheinlich treiben sie ihr Lehramtsstudium in Frankfurt voran.

Die Kündigung war schon ein Schock, oder?

Ganz ehrlich, ich hatte mir mehr Reife, Teamgeist und ein persönliches Gespräch erwartet. So gehen erwachsene junge Männer, die kurz vor dem Abschluss ihres Lehramtsstudiums stehen, nicht mit anderen um. Mit Mannschaftssolidarität und Teamsport hat das nichts zu tun. Zumal als Mannschafts-Kapitän. Diese Position wollte Peter ja mit aller Macht. Dem Verein war die Kündigung nur eine kurze Nachricht wert. Obwohl der Kapitän geht.Wir haben uns bewusst zurückgehalten, was Medien und Öffentlichkeit angeht. Wir wissen ja nicht, was der Grund für die Kündigung war.

Aber Hand aufs Herz: Können sie sich nicht vorstellen, warum die Wolf-Brüder gegangen sind?

Der wahre Grund liegt wohl darin, dass der kleine Wolf (Georg, d.R.) diese Saison zu wenig gespielt hat. Dazu kommt, dass Peter Wolf zuletzt nicht die von ihm gewünschte Diagonal-Position ganz rechts spielen durfte. Die Wolf-Brüder haben ja wegen der Beachvolleyball-Saison große Teile der Vorbereitung verpasst. In dieser hat sich ergeben, dass das Spiel sehr gut mit Oscar Benner als Diagonalangreifer funktioniert - was Peter Wolfs Lieblingsposition ist. Die Idee des Trainers war nun, Wolf als Blocker dem stärksten Spieler des jeweiligen Gegners entgegen zu stellen. Damit war er offensichtlich unzufrieden. 

Nun ist die Kündigung wirksam. Oder sieht der Verein das anders?

Die Wolf-Brüder haben ja noch Vertrag bei uns bis Saisonende, also bis 30. April 2019. Eine Kündigung in der praktizierten Form steht ihnen gar nicht zu. So etwas wäre nur in besonderen Fällen, zum Beispiel wenn der Verein insolvent gehen würde, möglich. Die Verträge sind gültig und sehen Vertragsstrafen und Schadensersatzforderungen vor, wenn sie nicht erfüllt werden. Auch wenn wir uns noch im Amateurbereich bewegen. Davon hat der Verein aber bisher keinen Gebrach gemacht.

Das heißt, die Wolf-Brüder können nicht einfach für einen anderen Verein spielen?

Wenn die Vereinsführung einverstanden wäre, könnten sie wechseln, was drei Monate Sperre nach sich zieht. Dazu besteht aber keine Bereitschaft und es liegt kein Antrag der Spieler oder eines anderen Vereins vor. 

Wie hat die Mannschaft auf den Abgang reagiert? Herrscht gedrückte Stimmung?

Die Stimmung in der Mannschaft ist tatsächlich gelöst, auch, weil die ständigen Querelen aufgehört haben. Die Spieler haben sich zusammengesetzt, als der Rücktritt der Wölfe verkündet war. Sie haben kein Verständnis dafür, haben ihn als egoistischen Schritt gesehen. 

Jetzt mal konkret: Wer soll die Wolf-Brüder im Spiel ersetzen?

Georg Wolf hatte diese Saison eh nur sporadische Einsätze. Auf dieser Position ist Moritz Rauber gesetzt. Der Abgang von Peter Wolf beschert uns tatsächlich ein Problem, sowohl diagonal als auch auf Außen. Mit Moritz Zeitler und Felix Bendikowski haben wir Möglichkeiten, auch Peter Wolf angemessen zu ersetzen. Dennoch kann man eine deutliche Schwächung nicht wegdiskutieren. Die liegt aber weniger in der Qualität als in der Breite des Kaders. Im Training sollten schon zwölf bis 14 gleichwertige Spieler stehen. Wir haben die Brüder Lukas und David Baden dazugenommen. Sie waren schon früher immer wieder Teil der Übungseinheiten; sind jetzt fester Teil des Teams. Sie machen sich immer besser. Auch wenn es aktuell noch nicht für einen Stammplatz in der Zweiten Bundesliga reicht.

Es gibt nicht wenige, die sagen, dass der Abstieg nach dem Abschied der Wolf-Brüder aus der Zweiten Bundesliga so gut wie besiegelt ist.

Das sehe ich nicht so. Ja, die Wölfe, vor allem Peter, sind für jede Zweitliga-Mannschaft eine Verstärkung, wenn sie fit sind. Und ja, es wird eine schwierige Aufgabe, die Klasse zu halten, auch wegen der guten Aufsteiger Mimmenhausen und Gotha. Aber wir glauben, dass das Team intakt ist, vielleicht mehr als vor dem Abgang der Brüder. Wir haben die Vorbereitung auch ohne die Beiden hinter uns bringen müssen und hatten gute Erfolge. Der restliche Kader bleibt gut genug für die Zweite Liga. Aber ich erwarte gegen Gotha eine Reaktion.

 Haben Sie darüber nachgedacht, Ersatz für die Wolf-Brüder von außerhalb zu holen?

Wir halten momentan nicht aktiv Ausschau nach Verstärkung. Bis Weihnachten wollen wir es auf jeden Fall mit dem aktuellen Kader probieren. Sollte es bis dahin sportlich nicht laufen oder sich zwei Stammspieler schwer verletzen, müssten wir reagieren und Geld in die Hand nehmen. Aber noch einmal: Ich traue unserer jetzigen Mannschaft absolut zu, die Klasse in der Liga zu halten.

Sehen sie Karl Kaden als Trainer nach den Querelen angeschlagen?

Nein, auch nicht in der Mannschaft. Die Abteilungsleitung steht hinter dem Trainer und seinen Entscheidungen. Ich glaube, dass wir richtig gehandelt haben. Übrigens: Der Karl war sogar bereit, Peter Wolf seine Lieblingsposition zurückzugeben und Oscar Benner wieder auf die Position als Mittelblocker zu stellen. Diesen Lösungsansatz haben die Brüder mit ihrer Entscheidung zunichte gemacht. 

Wie hat das Umfeld, insbesondere die Sponsoren, auf den Konflikt reagiert?

Es gab Rückfragen, die unser Sponsoring-Beauftragter Frank Jansen beantwortet hat. Die Unterstützung unserer Gönner ist anders. Sie wollen den Breitensport unterstützen und den Leistungssport in der Region halten. Sie stehen in guten und in schlechten Zeiten zu uns. Nach professionellem Ersatz für die Wolfs haben sie nicht gefragt.Ihre Entscheidung wurde als egoistisch und nicht teamorientiert gesehen. 

Fürchten sie nachhaltige Image-Schäden für den Verein?

Das ist eine Frage des Erfolgs. Das Spiel am Samstag gegen Gotha nimmt da eine Schlüsselrolle ein. Wie Mimmenhausen und Fellbach hat dieses Team sechs Punkte, wir zehn. Gewinnen wir, ist die Welt in Ordnung. Dann werden 95 Prozent der Beobachter sagen, der Verein hat alles richtig gemacht. Verlieren wir, wird es Kritik hageln. Viele werden sagen: Wie konntet ihr die Wolf-Brüder gehen lassen. Aber welche Wahl hatten wir denn?

Das Gespräch führte Steffen Standke