TV/DJK Hammelburg Volleyball

Fast unbemerkt ist bei den Hammelburger Jungs zu Beginn der Saison eine Position neu besetzt worden. Aaron Dettner hat den langjährigen Libero Dominik Seller, der studienbedingt nach München ging, adäquat ersetzt. Am vergangenen Sonntag wurde er beim Auswärtssieg in Friedrichshafen vom gegnerischen Trainer zum besten Spieler des Matches (MVP) gekürt. Wie es zu dieser atemberaubenden Entwicklung gekommen ist, verrät Aaron Dettner in einem Gespräch.

In Deiner letzten Saison 2010/2011 bist Du mit dem Team in die Bayernliga aufgestiegen, bevor Du wegen Deines Studiums das Team verlassen musstest. Wie hat man Dich reaktiviert und was hat Dich bewogen, wieder das Trikot Deines Vereins überzustreifen?

Aaron Dettner: Tado wurde beim Freiluftturnier auf die Spieler des Teams "Fricher Fich" aufmerksam. Seine Anfrage, ob ich mir vorstellen könnte Libero zu spielen, hat mich natürlich sehr geehrt. Neben der sportlichen Herausforderung in der 2. Bundesliga zu spielen, war es auch die Nähe zu meinen Eltern und meinem Bruder, diemir die Entscheidung einfach gemacht hat. 

Du bist also auch beruflich wieder hier in der Nähe? Was machst Du gerade? 

Momentan mache ich ein Praktikum im Bereich Hirnforschung in Frankfurt. Ich kam im Dezember 2013 von einem Auslandssemester in Frankreich zurück und habe anschließend keine Lust mehr auf Volleyball verspürt, weshalb ich aufhörte. Ich bin nach dem Psychologie-Studium nach London und habe anschließend ab August 2014 ein Jahr dort gelebt, mit Freunden viel Tennis und Fußball gespielt und Neurowissenschaften studiert. Ich finde es überhaupt spannend, Neues und mir Fremdes zu erleben und mich dabei selbst kennenzulernen. Ich bin gerade wieder gerne 'in der Nähe', weil unter anderem das Essen zu Hause am besten schmeckt.

Wie würdest Du die Stimmung im Team beschreiben? 

Die Stimmung in der Truppe ist unglaublich gut. Ich finde es klasse, dass mit Aldin (Dzafic) und Mario (Radman), die ich persönlich erst in der Trainingsvorbereitung kennengelernt habe, zwei Typen dabei sind, die menschlich sowie sportlich eine neue Dynamik ins Team gebracht haben. 

Es gibt Stimmen, die sagen, wenn man mit Dir und Henning (Schulte) zusammen im Bus zu Spielen fährt, wäre das wie eine Klassenfahrt mit unreifen Teenagern - was sagst Du zu solchen Vorwürfen?

Die Aussage stimmt. Mit Lorenz (Karlitzek) und Oscar (Benner) haben wir auch schon zwei Auszubildende.

Ein paar Worte zur Position des Liberos, was macht diese aus, was macht Spaß und was überhaupt nicht?

Libero sein heißt Annehmen und Abwehren, eine ganz einfache Formel. Damit steht und fällt der Spielverlauf. Manchmal würde ich schon gerne angreifen. Dennoch freue ich mich, meinen Teil zum derzeitigen Erfolg des Teams beizutragen. Ich selbst habe ja gar nichts zum Aufstieg in die 2. Bundesliga beigetragen, weshalb es mich ehrt, nach einer relativ langen Zeit ohne Volleyball überhaupt zum Stamm der Mannschaft zu gehören. Das fühlte sich gerade anfangs etwas surreal an.

Wie würdest Du das beschreiben, was in puncto Volleyballbegeisterung gerade so abgeht in Hammelburg?

Mit einem Wort: Krass! Die Zuschauerresonanz ist überwältigend. Abseits vom Sport werden wir Spieler wohl nicht mehr so schnell in den Genuss kommen, von 500 Leuten unterstützt und beklatscht zu werden. Bei einem Vortrag an der Uni jubelt dir im Regelfall auch keiner zu. Vor dem Heimpublikum macht Volleyballspielen bedeutend mehr Spaß. Wirklich herzlichen Dank an alle Zuschauer und Helfer für die einmalige Stimmung!

Noch ein abschließendes Wort zu Deinen Saisonzielen?

Ganz einfach - mit diesem tollen Team viele gemeinsame und schöne Erlebnisse haben, um das ganze gerne in derselben Liga kommende Saison zu wiederholen.

Das Gespräch führte Oliver Wendt.